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Registrierungsdatum: 9. Juli 2006

1

Dienstag, 7. Mai 2013, 07:53

Prof. Ackers über die Gleise der Straßenbahn

In der heutigen BZ beklagt sich Prof. Ackers über die sanierten Gleise der Straßenbahn.

Zitat

Leserbrief von Prof. Walter Ackers:

Nichts dazugelernt. Gar nichts. Zwar sprechen wir immer noch von Straßenbahn, aber das ist sie nur noch in der Fallersleber und Leonhardstraße, wo sie wirklich in die Fahrbahn integriert ist. Als Stadtbahn beansprucht sie heute ein eigenes Territorium, das auch rechtlich nicht mehr öffentlicher Raum ist! So jedenfalls wurde ich vom Sicherheitsbeauftragten des Landes Niedersachsens aufgeklärt, als es vor zehn Jahren um die Integration der Bahn am Bohlweg ging.

Lösen wir doch mal unseren selbstgefälligen oder feindseligen Blick von Schloss und Bohlweg und wenden uns wenige Meter nach Süden oder Norden. Begehen wir den nördlichen Bohlweg und Wendenstraße, oder im Süden die Stoben- und Auguststraße. Hier können wir feststellen, dass die Stadt nicht fähig oder bereit ist, ihre Verkehrs-AG dazu zu bringen, ihr Territorium in einem einigermaßen akzeptablen Zustand zu halten. Statt dessen Vernachlässigung, Verwilderung, Verfall. Die Trennung des Raums durch nicht überwindbare eigene Gleiskörper hat im Laufe der Jahre zu einer Verödung des wirtschaftlichen und sozialen Lebens in diesen Straßen geführt.

Jetzt wird alles besser und neu? Im Gegenteil. Dort, wo die Gleise neu verlegt wurden wie am Kennedyplatz, an der Wolfenbütteler oder Kurt-Schumacher-Straße wurde die billigste und primitivste Form gewählt wie aus der Anfangszeit der Eisenbahn. Diese technische Grobheit führt zwangsläufig zu einer Verrohung des Straßenraums im Erscheinungsbild, in der Akustik, im Gebrauch.

Stadt ist Kultur. Städtischer Raum ist Kulturraum. Was derzeit gebaut wurde und von einzelnen Fraktionen auch für die nächsten Abschnitte gefordert und mit Sparzwang begründet wird, ist das Gegenteil, ist schlichtweg Stadtzerstörung. Dies ist das probateste Mittel, um die großartige Erfindung Straßenbahn endgültig zu diskreditieren und sie auch sozial herunterzuwirtschaften.

Es enttäuscht mich maßlos, dass diese Kulturlosigkeit überhaupt Gehör findet. Wenn all die Generationen vor uns so gedacht und gehandelt hätten, so gäbe es heute nichts, aber auch gar nichts in Braunschweig, auf das wir uns kulturell stützen könnten. Nachhaltigkeit lässt sich nur aus der Kultur entwickeln.

Bitte, verehrte Stadtverordneten welcher Fraktion auch immer, reden Sie sich nicht heraus mit fehlendem Geld. Wenn wir uns die Stadtbahn nur leisten können, wenn wir gleichzeitig die Stadt selbst demontieren, dann müssen wir eben auf die Bahn ganz verzichten und lieber Bus fahren.

Wo wollen wir denn eigentlich hin mit unserem Braunschweig? Die Lange Straße zeigt doch beispielhaft, dass eine Stadtbahn auch in die Stadt integrierbar ist und den öffentlichen Raum aufwerten kann. Stellen sie sich diese Straße bitte einmal ohne die Baumreihen, stattdessen mit besagter Vignol- oder Breitfußschiene und Schotterbett vor. Berliner Straße für alle. Das wollen Sie doch nicht wirklich?

Walter Ackers, Braunschweig


Und der Herlitschke:

Zitat

Herlitschke macht keinen Hehl daraus, dass er die Meinung und Befürchtungen von Ackers teilt: „Mit den neuen Schienen, die die Verkehrs-AG kürzlich hat verlegen lassen, fallen wir tatsächlich hinter dem zurück, was Braunschweig bislang hatte. Lärm und Feinstaubbelastung steigen. Und auch stadtgestalterisch verliert Braunschweig an Lebensqualität.“


Das musste ich natürlich kommentieren:

Zitat

Sehr geehrter Herr Prof. Ackers,
sehr geehrte Damen und Herren,

ist die Diskussion um das Rasengleis wirklich ernst gemeint?
Wenn in einer Stadt ein großer innerstädtischer Park mit einem von 2,5 Seiten hässlichen Krebsgeschwür aus Beton, Stahl und Glas
versiegelt wird, ist es einfach lächerlich, über ein Rasengleis zu debattieren. Das erinnert an die Schildbürger, die vergessen
haben, dass auch ein Rathaus Fenster benötigt. Wenn man diese Diskussion wirklich ernsthaft führen will, muss man auch überlegen, ob
nicht mehrspurige Straßen zu Gunsten von Baumreihen und Grünstreifen zurückgebaut werden müssen.
Das Argument, dass ohne Rasengleis die Feinstaubbelastung steigt, ist ein Witz. Den Feinstaub bekommt man nur mit einem gut
funktionierenen und attraktiven ÖPNV in den Griff. Und daran mangelt es extrem in Braunschweig. Deshalb sollte lieber über den
Ausbau der Straßenbahn zu einer richtigen Stadtbahn, über Streckenerweiterungen in die Randgebiete der Stradt, über eine westliche
Innenstadtstrecke und über ein verdichtetes Fahrplanangebot nachgedacht werden. Ebenfalls ist es provinziell, wenn bei einer
größeren Menschenansammlung am Bohlweg der gesamte Straßenbahnverkehr zusammenbricht, weil den Verantwortlichen als einzige Lösung
nur die Sperrung der Gleise einfällt.
Und übrigens, Herr Professor Ackers, eine Busfahrt ist keine Alternative zur Straßenbahn. Sie ist unbequem und unattraktiv und daher
der Gipfel der Kulturlosigkeit. Zum Städtebau gehört eben nicht nur Ästhetik, sondern auch Funktion!

Mit freundlichen Grüßen


Marcus

Registrierungsdatum: 21. September 2008

2

Donnerstag, 9. Mai 2013, 11:09

Hallo,

ich glaube der Herr will nicht die Straßenbahn abschaffen, er will sie so in die Stadt integrieren, dass sie als was Positives, Annehmbares empfunden wird, und nicht als unüberweindbare Grenze.

Möglicherweise war der Herr, so wie ich, vor Kurzem mal in Frankreich. Dort sieht man in fast jeder x-beliebigen größeren Stadt schöne Beispiele, wie sich Straßenbahn erfolgreich ins Stadtbild integrieren lässt. Nehmen wir mal das folgende Bild aus Grenoble, welches ich vor etwa zwei Wochen aufgenommen habe. Man sieht, wie die Straßenbahn eine grüne Oase zwischen den Häusern wird. Gleichzeitig werden mit bunten Beeten die vorderen Ecken aufgewertet. Oberleitungsmasten konnten größtenteils vermieden werden. Nicht wirklich sichtbar, aber auch interessant, ist die gut funktionierende Signalisierung, die die Bahn flüssig von Haltestelle zu Haltestelle führt. Das einzige, was mich an dem Bild stört, ist das "keine Durchfahrt"-Schild...


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MoVeBS - für bessere Mobilität und Verkehr in Braunschweig.

Registrierungsdatum: 18. Juli 2007

3

Donnerstag, 9. Mai 2013, 12:14

Hallo,

ich glaube der Herr will nicht die Straßenbahn abschaffen, er will sie so in die Stadt integrieren, dass sie als was Positives, Annehmbares empfunden wird, und nicht als unüberweindbare Grenze.


Das sehe ich genauso. Ich kenne Herrn Ackers aus Meetings in Peine zum Thema Stadtplanung persönlich, und er ist eigentlich immer bemüht, ganzheitliche Konzepte umzusetzen. Für Peine ist er federführend für das Projekt zur Umgestaltung des Schützenplatzes mit Integration des Werderparks und der Schützen- und Glockenstraße. Ein großer Knackpunkt war hier, den ÖPNV in die Erweiterung der Fußgängerzone (Shared Area) zu integrieren, da der Verkehr zum Bahnhof ja über diese Straßen mit geführt wird.

Die im städtbaulichen Wettbewerb gefundene Lösung, in dessen Jury ich Mitglied war, kam auch eine Lösung zum Zuge, die die ganzheitlichen Aspekten, die Herr Ackers vertritt, auch sehr gut darstellt. Die gewählte Lösung war übrigens auch mein Favorit. Umgesetzt werden soll dies 2014/15; dann werden wir sehen, wie sich das Konzept in der Praxis bewährt.

Wenn Herr Ackers also ein ganzheitliche Konzept für die Tram verfolgt, kann man auch davon ausgehen, daß es gut umgesetzt wird. Wie eine Lösung dann aussehen wird, wird in der Regel im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbes ermittelt.
Eine ganz besondere Zahl: 5551 * 2 ^ 819987 + 1



Registrierungsdatum: 8. Juli 2006

4

Donnerstag, 9. Mai 2013, 13:10

Oder man gucke sich die Straßenbahn in Freiburg an. Wenn ein eigener Bahnkörper vorhanden ist, gibts fast ausschließlich Rasengleise. Die Oberleitungsmasten sind mich Efeu bewuchert. Durch das Rasengleis werden die Geräusche der Strab absorbiert. So stelle ich mir eine perfekte Straßenbahn vor...

Beispielbilder zum einen in diesem DSO-Beitrag
Oder hier ein Bild aus der Wikipedia http://commons.wikimedia.org/wiki/File:C…_Rasengleis.jpg

Registrierungsdatum: 7. August 2008

5

Donnerstag, 9. Mai 2013, 16:50

Pflegekosten

Hier in BS werden immer die Kosten der Pflege eines Rasengleises als Gegenargument genannt.
Mich würde mal interessieren, wie hoch diese in anderen deutschen Städten sind ( z.B. Freiburg ).
Es kann doch nicht die Welt kosten, 1-2 Mal im Jahr den Rasen zu mähen. Dafür überwiegen doch
eindeutig die Vorteile eines Rasengleises.
Viele Grüße

Torsten

Registrierungsdatum: 8. Juli 2006

6

Donnerstag, 9. Mai 2013, 17:35

ich finde diese Diskussion in BS auch lächerlich. Das liegt einfach an der politischen Einstellung. Freiburg ist kleiner als BS und hat einen ÖV nachdem man sich die Finger lecken kann. Die RegioKarte (Monatskarte für den gesamten RVF) ist mit 44,60 € im Abo wirklich spottbillig.
Eine CDU/FDP dominierte (Verkehrs)Politik ist nunmal eher contra-ÖV und so kommen solch Diskussionen wie mit dem Rasengleis auf. Komischerweise, auch wenns um solche Erdnuss-Beträge wie das Pflegen von Rasengleisen oder der Nachtverkehr am Wochenende...

Die Vignolschienen, die jetzt überall in BS verlegt werden, sehen ja wirklich scheußlich aus...

Wie wird eigentlich das Rasengleis in der Langen Straße in BS gepflegt? Mitm Zweiwege-Unimog oder kommt da eine Handrasenmäher-Brigade?

Registrierungsdatum: 7. August 2008

7

Donnerstag, 9. Mai 2013, 20:05



Wie wird eigentlich das Rasengleis in der Langen Straße in BS gepflegt? Mitm Zweiwege-Unimog oder kommt da eine Handrasenmäher-Brigade?


mit der Nagelschere, deshalb ist es auch so teuer :) . In der Frankfurter Straße liegt übrigens auch Rasengleis. Ich finde es auch viel schöner
als diese "ICE-Trasse", die in diesem in der Münchestraße weitergebaut wird.
Viele Grüße

Torsten

Registrierungsdatum: 14. August 2008

8

Montag, 20. Mai 2013, 19:16

Hi,
In diesem Zusammenhang finde ich den folgenden Beitrag sehr interessant und informativ:
http://www.newstix.de/?session=88692e08c…=true&mid=21574
Es handelt sich dabei um Rasengleise bei der DVB in Dresden.